bayrische telegramme I

heute hier morgen dort… das leben unterwegs ist grossartig und fordernd, der alltag verzeiht keine nachlässigkeiten, es ist stets vieles im auge zu behalten, das wohlergehen von mensch und maschinen. und vor allem musss genügend zeit zum loslassen und zu erkenntnissen sein, darum geht es ja. darum setze ich jetzt das tagebuch wieder nur in knappster form fort, für mich, um den geschlungenen weg im auge zu behalten und natürlich für euch, die interessierten. und vielleicht führ ich die vielen stationen daheim ja noch ausführlich aus, im winter, wenn draussen der schnee fällt, bei kerzenschein.

und dann fuhren wir mit dem alten postbus los, die junge donau längs und die etwas weniger junge und schliesslich noch ein bischen ins allgäu hoch…

und vergassen auch nicht ob der weniger. pflicht und natürlich nicht den von fff wieder ausgerufenen weltkampftag…

aber wie alle guten dinge so endete auch unsere gemeinsame auszeit…

und ich machte mich wieder alleine auf. grosse richtung: münchen.

es müssen nicht immer hundert kilometerstrecken sein… und unterwegs findet sich stets eine ecke, an der ich, mit ein bischen frechheit, stehen kann.

die nächste station wieder eine gemeinschaft, sulzbrunn hinter kempten, mit grossem seminarbetrieb. werde freundlich aufgenommen und darf auf dem grossen parkplatz stehen. drei nächte werdens, dem heftigen regen geschuldet. aber in den lücken wutsche ich doch nach kempten runter, das schild halten…

kempten ist bei näherem hinsehen ein ort, an dem sichs leben lässt… eine feine, aufgeräumte altstadt, ein einkaufszentrum, das tatsächlich noch geschmeidig läuft, kurz eine satte, ja, eine fette stadt.

und wieder weiter ohne direktes ziel… meine nase führt mich zum friedhof von marktoberdorf… ich hatte zwar einen kontakt in füssen, allerdings versperrt dem dreimeterzwanzig hohen gespann ein niedriger torbogen die weiterfahrt und überhaupt ist füssen am sonntag mit ausflüglern überlaufem, ich haue also wieder ab…

marktoberdorf hat auch ein schloss in einem grossen friedhofspark, eine rokoko schlosskirche und einen jugoslawen namens “grüner dubrovnik”… in einem grünen fachwerkhaus, das mir im vorbeifahrn heimelig vorkommt. am sonntagabend voll mit eher jüngeren gruppen. die bayrische gemütlichkeit vielleicht. ich nehme ein stück braten, einen halbtrocken undefinierbaren wein und zum schluss einen feinen eierlikörbecher. der wirt gibt noch einen schnaps obendrauf. meine kleine flucht aus der bescheidenheit. mhm.

 

auf dem weg nach münchen liegen auch die grossen seen und: diessen am ammersee, wo ich vor einigen jahrzehnten die ferien mit der familie verbracht habe. und natürlich hat sich auch das diessen der neuen zeit angepasst, sich gemausert…

aber ich bin ja nicht zum vergnügen hier. hihi. spanne wieder an und fahre die zwölf kilometer zum kloster andechs hoch…

leider gibt es am kloster keinen grosszügigen platz, wo das schild wirken kann, alte schmale gassen. aber doch gen süden eine spektakuläre kulisse.

wobei braustübl eine tolle verniedlichung ist für diese verschachtelung von x ebenen biergarten. die wurscht kostet 1,95, der liter bier 8,80. was mir günstig erscheint. insgesamt war ich von andechs enttäuscht, die kirche kürzer als geträumt und leerer als gedacht, der bierrummel um die klostereigene brauerei überbordend. an manchen stellen bröckelt der putz, an fenstern der alten mönchsklausen blättert lange die farbe. ein cleverer brauereirummel mit spirituellem schaumkrönchen. und lieblosen aspekten. aber dafür ist die csu nicht weit. beim rückzug finde ich mich plötzlich in einem veritablen auftrieb von damen und herren in feinstem, gern volkstümlichen zwirn, die dem csu stern gefolgt sind, irgendeine versammlung zum wahltag 8. oktober.

denke kurz daran, das schild auszupacken aber dann lass ichs stecken, erstens hat mich der tag geschafft und zweitens überlass ich den protest gegen ihre csu lieber den bayern. was vermutlich eine richtige entscheidung war. denn inzwischen kommt eine fette, gern münchner und starnberger limousine nach der anderen vorgefahren, füllt den platz, manche grüssen zum bowo hin, wo ich mein gemüse futtere. und plötzlich drei obrigkeitliche herren, schwups hinterm gespann. ein freundlicher junger hauptkommissar fragt nach dem woher und wohin und den absichten in sachen csu, während ein eher griesgrämiger und eher älterer mein wenigerding ablichtet. und fragt, ja ob ich denn allein fahre. also das übliche godcop badcop und die übliche frage danach, wo denn die ganzen anderen stecken, mit verteilten rollen. sie scheinen länderübergreifend die gleichen drehbücher zu haben. was mir allerdings besonders erschien war, dass sie tatsächlich alle fünf minuten noch eine runde um den platz drehten, bis ich denn abzog richtung nachtquartier. neinnein, bei der csu möchte auch ich nicht festgeklebt sein.

mnnm