der stand der dinge

 

am tag der bundestagswahl 2017 hab ich mich mit dem weniger. schild zum ersten mal aufgemacht, zum kölner dom. ich war entsetzt und empört von den frischen daten zum sterben der schmetterlinge, hummeln und bodeninsekten. meine empörung ist heute eher grösser, beredter, umfassender.
sehe johannes kepler im film. er hatte armut, krankheit, tod, krieg, adel, inquisition. hautnah. aber den kopf voller mathematik. und die strahlende zuversicht, die gute ordnung hinter allem zu finden. seine neue zeit im rücken. wir hier betreiben naturzerstörung ohne ende, beäugen die klimakatastrophe. und haben mehr wissen, technik, reichtum und freiheit than ever. könnten ein paradies bauen. zeug statt leben – diktat des gestern, überlebtes konzept. wachstum, ob rot oder grün, heute verheerend. lassen wir uns nicht von industrien und parteien einlullen, die sich flugs ein grünes mäntelchen umgetan haben. ebensowenig von pc und cc einschüchtern. leben braucht jetzt unser bescheiden, ein stetes weniger. betörend einfaches. befreiendes. und unsere lebenspralle zuversicht gleichermassen. kepler im kopf. ein paradies im herzen. das loslassen heisst. freude. frieden. (“frieden bei den menschen und unter den tiern”, der traum ist aus, rio 1972)

neben  dem  stillen stehen mit dem schild an orten der naturzerstörung, des turbokonsums, aber auch des innehaltens gibt es also mein wenigerpunkt gespann, vornan den deutz d4006 trecker von 1976, meine  schäferwagenbehausung dahinter. um die botschaft durchs land zu tragen. der deutz wie alle alten trecker ein veritabler krachmacher und stinker, auch. jaja. will ja gehört werden. sag ich den erregten. und mit 22 km/h spitze: doch ein wahres sinnbild der entschleunigung. einer gemütlichen landpartie.

und seit dem sommer 2020 mache ich gelegentlich noch die -flüchtigen- strassengraffities als wirklich sanfte, vergängliche botschaft.

das weniger.  ist in seiner speziellen, eingedampften erscheinungsform und mit seinem hohen wiedererkennungswert manches zugleich: als kunst interventions-performance, politisch protest, spirituell zu besten zeiten innehalten in stille, vielleicht meditation. und jedenfalls noch: behausung.
inzwischen habe ich das schild einige hundertmal präsentiert, das ganze gesprächsspektrum von heller begeisterung bis aggresiver ablehnung weidlich erfahren. habe gesprächsweise einige tausend leute kennengelernt, was lehrreich war, spass gemacht hat. und gelegentlich nervte. meine überzeugung hat sich geschärft, dass wir menschen, heute selbst zumutung für diese unsere erde, uns mit der zumutung eines weniger anfreunden müssen. no weniger, no future. punkt. so einfach ist das. wird es für viele unserer spezies sein. und für viele anderer arten. weniger. eine einfache lösung für viele komplexe probleme.
mit dem treck nun auch schon etliche hundertkilometer erfahrung. vor allem stadt köln erfahrung, aus der friedlichen überlandtour ist – erstmal und pestbedingt – eine art temporäre stadt-guerilla geworden, dröhnend durch die strassen des konsums, zu pfingsten 2020 im gedränge der hohe strasse gestoppt vom harschen unverständnis der staatsmacht. und doch wieder präsent auf den plätzen.

und auch die zahl meiner graffitis wuchs, immer wieder weggespült vom gelegentlichen regen. und also neugemacht. sie sind kleister plus kreide oder kleister plus pigment. ich nummeriere, signiere und fotografiere. und warte auf den sommer 2021.

seit mai 2020, ohne grosse begeisterung, schlicht aus einsehen in die chancen der modernen zeiten, diese website. es ist nicht so, dass ich die wenigerpunkt aktion nicht bis ans ende meiner tage auch allein machen werde, das abenteuer muss sein. es ist leicht, braucht kaum etwas, sich mit seinem schild wo hinzustellen. etwas mut zu beginn. aber jedenfalls keine genehmigung. und auch meine minikundgebungen mit gespann sind leicht angemeldet. ein, zwei freunde immer bereit. und freundinnen. natürlich.
hambacherforst, alle dörfer bleiben, fff, ende gelände, xr zeigen, dass – nicht anders als schon in den jahrzehnten und jahrhunderten zuvor – der analoge druck der „strasse“ den politischen dingen beine macht. ich bin der überzeugung, dass veränderung nicht ohne viele überzeugte und tätige einzelne, aber gewiss nicht ohne die reaktion der politik geschieht. und die kampfmittel: einzelaktion und minikundgebung scheinen mir, nach meinen erfahrungen, auch in zeiten der beschränkungen ein äusserst flexibles und leistungsfähiges konzept. mit leichtigkeit. überall. los jetzt…hihi.