wider die sprachverdächtiger, sprachsäuberer und dauererregten

ich gehe noch ein stück hinter ihnen her und frage, für welchen verein sie denn nun stehn. sage, das hab ich mir schon gedacht, obwohl ich mir garnix gedacht habe. dein wagen ist scheisse sagt der typ noch. spuckts mir angewidert hin. nochmal richtig nachtreten.
eine gefühlte viertelstunde haben sie mich angemacht, die zwei. das wort führte die junge frau, er schob nur ab und an hinterher. kamen auf mich zugestürmt, um mir meinen bowo so richtig um die ohrn zu haun. hams auch ein stückweit geschafft, jedenfalls hab ich hinterher etwas gezittert. fassungslos.
das ist ja krass, was du da auf deinem wagen stehn hast, fing sie an. stimme erhoben, auf angriff. fingerte vom wagen ein paar worte. gier, finanzkapitalismus, wucher und noch ein paar andere.  worte, die die nazis benutzt haben für ihre antsemitische hetze und die menschenvernichtung schliesslich. sagt sie. zins. soeinwort. ein ganz schlimmer wagen. ein judenfeindlicher wagen. so ein schlechter wagen. schuldiger wagen.

natürlich fragen die nicht. behaupten. argumentieren nicht. das urteil steht. lassen nichts gelten. biblischalte worte. nicht. worte aus den marxschen bänden. nicht. schliesslich genderstalinismus. hier sind wir auf dem doppel-punkt. frauenfeindlich also auch. aber ein wort, das auch sie beleuchtet.  mir aus harald welzers alles könnte anders sein zugefallen. wo er die dauernden störungen seiner vorlesungen durch solcherlei aktivisten und aktivistinnen beschreibt. ein gutes wort, auch das richtige wort hier. ihr urteil kann jeden treffen, jedes wort, jederzeit. out of the blue. einschüchterung. fühlt euch nicht sicher. männer. weisse. christen. journalisten. journalistinnen. schreiber. kabarettistinnen. menschen. ironisierer. freunde und freundinnen der deftigen sprache. wir halten euch im blick. beurteilen, verurteilen, was ihr tut. auf plätzen. wagen. in medien. sowieso.
kommen als hüter des moralischen grals daher, dabei geht es schlicht um ermächtigung. der hyperempfindlichkeit, der hysterie. ein trick. und funktioniert. die öffentlich rechtlichen zucken immer schneller. zusammen. werden immer zögerlicher. ganz normale menschen baun die sternchenpause in ihre sprache. ein. als ob leute, die sich noch zeit für bauer und bäuerin, studentin und student nehmen, gegen gleichberechtigung wären, gleichbehandlung, gleichbezahlung. und freunde galanten komplimentes, des zigeunerschnitzels oder des negerkusses per se rassisten, strolche.
lassen wir uns nicht ins bockshorn jagen. bewahren wir haltung. humor. das wenigerpunkt. wir alten jedenfalls. hihi. antifaschismus verträgt eine deftige sprache.

einen moment dachte ich sogar dran, abzuhaun vom platz. wenn die hier alle so drauf sind. aber das sind sie natürlich nicht. wie sich zeigen wird.

ian gilian, 75, und immer noch sänger von deep purple, die mit dem smoke on the water, sagte im letzten spiegel, heute sei an die stelle von tugenden wie freundlichkeit, höflichkeit und gegenseitigem respekt die politische korrektheit getreten. “eine schweigende mehrheit wird mit angst reguliert. das kritische denken und das freie sprechen werden auf diese weise allmählich ausgeschaltet. was mich betrifft, so singe ich umso lauter, je mehr ich zum schweigen gebracht werden soll.”  wow!