…heutmorgen einen kleinen text gezimmert. hab über meinen standpunkt zum häufig geforderten „mitnehmen der menschen“ nachgedacht…
11.9.26
ihr sagt mir, besorgtheit im ton : wir müssen die menschen doch mitnehmen. aber dann schaut bitte auch tapfer, wohin uns euer rundumwohlfühlkonzept gebracht hat. wie erfolgreich ihr wart. ich will die last mit der bequemlichkeit der kreatur nicht haben. die müssen, verdammtnochmal, „die menschen“ schonselber tragen. jedenfalls das. gemütlichkeit schafft keine auswege. wir verstehen gefahr nur, wenns prickt. halten grenzen ein, wenns kostet. ich zeige nur auf den heissen ofen da. und verspreche euch nichts. ausser eben aua.
nungut. jedenfalls gings heut doch mit wenigerpunkt nach saarbrücken runter, leichte acht kilometer etwas rauf, etwas runter aber meist auf bequemen radelpfaden.
ich muss gestehen. erstens war ich wohl tatsächlich noch nie in SB. auch wohl als kind nicht. und hatte irgendwie die vorstellung einer völlig verbauten und mit der niedergehenden kohle niedergegangenen industriestadt. und zweitens hielt ich es nicht für nötig, jetzt im vorfeld an diesem bild per internetrecherche etwas zu verändern. (hier emoji: zerrknirrschung!)
googlete einfach SB zentrum. und landete in einer scheusslichen allerweltseinkaufsmeile und dachte und sagte. warum sollte mann hier in dieser stadt seinwollen?
fragte dann gesprächspartner, was mann sich denn in saarbrücken ansehen sollte oder müsste und bekam die etwas nebelige ansage, ich solle einfach noch paarhundert meter gradaus weitergehn, da komme das dann schon, museum undsoweiter. und dann war ich doch vom donner gerührt. es erwartete mich zunächst eine vollbürgerlichpittoreske piekfeine altstadt mit menschenfülle in der platzfüllenden aussengastronomie und im behaglichen nachmittagssonnenschein. und so stück für stück blätterte sich ein schönes residenzstädtchen auf. dass mir der mund offenstehenblieb und ich euch hier zur busse noch eine kleine fotogalerie dranhängen muss.
und muss hier eine dringende besuchsempfehlung für den und die, dies schönbürgerlich relaxt mögen, noch loswerden… wie sich das jetzt mit weniger. verträgt, darüber denk ich noch nach. mhm.
…und habe eine nacht dazwischen und nachgedacht. heute erscheint mir SB als eine fein geordnete stadt mit schönen gepflegten plätzen und sehr vielen liebevoll und stilvoll gestalteten ecken für den touristischen besucher. auch viel feinen geschäften. der fussstreife „ortspolizei und der doppelstreife „ordnungsamt“. und SB hinterlässt in diesem ausschnitt den eindruck einer satten stadt. und gestern gegen abend gestopft voll mit feinbürgerlich vergnügungssüchtigem volk.
wäre ja alles nichts gegen zu sagen, wäre da nicht die tatsache, dass die welt brennt und dass letztlich auch diese noch wundershönwarmen herbsttage möglicherweise damit zu tun haben (wovon der fahrende natürlich auch profitiert, trocken und warm…mmmhm). und wir uns eigentlich auf den strassen sammeln müssten um uns im weniger zu bestärken und die regierenden zu fordern, zu zwingen, endlich die nötigen dinge zu tun. und ich höre die sätze „aber spass ist doch auch wichtig“… „ohne freude…“ undsooooweiter.
und genausowenig wie ich an den hunderttausenden fussballaffen etwas ändere, die allwöchentlich in die stadien rennen, ändere ich etwas am gutbürgerlichen mittelstadttourismus.
möchte also sagen: geht auf die strassen. dann dürft ihr von mir aus hihi auch mal nach SB. ein wochenend. erholung. hihi. hi.
wir sehn uns. hihi.
najanochmal. mein geistesfreund thomas metzinger hat eine -seeehr ferne- lösung imauge. in „bewusstseinskultur“ schreibt er: „wir werden schon aus gründen der territorialen gerechtigkeit auch den extrem hohen materiellen lebensstandard der menschen in den reichen ländern absenken müssen. hier setzt die idee einer bewusstseinskultur an. stark vereinfacht gesagt: um den materiellen lebensstandard senken zu können müssen wir den phänomänologischen lebensstandard stark anheben“ (s.171)
ein erster schritt für mich ist, mich mit (esoterikfreier!) meditationspraxis zu befassen. aber jetzt weiter im bilderbuch.
am samstag fahr ich weiter. samstag, tag des hausputzes möglicherweise und so ergeben sich einige gespräche noch mit menschen, die flaschen und kartons zur entsorgungsstation bei mir gegenüber bringen.
finde eine ruhige strasse für die nacht und entdecke, dass sich der neue bolzen an der kupplung wieder selbständig macht. nicht sehr beruhigend, kann ich gerade aber im moment nicht ändern.
das kloster selbst von einem schicken kongresshotel eingenommen, schicke leute, schicke autos, schicke sprüche. „enjoy it“
in der nacht stell ich als dunklen protest meine leere fantadose als kleine skulptur in den schicken durchgang. unterwegskunst.
however. der ort eine mischung aus fein herausgeputztem alten, fein herausgeputzten neuen architektenhäusern und flächigweitem verfall alter substanz. ein bischen neueländerlike. offenbar trägt die gegend diese ganze struktur nicht mehr.
und nach ausgiebigen leibesübungen auf dem feinen sonntagsleeren dm parkplatz nun weiter, die wohnhausgemeinschaft „meets“ in busenberg anzusteuern. aber „meets“ muss noch warten. pirmasens liegt doch am weg und ruft. ein ort, der mir gedanklich so fernliegt wie irgendwas und wo ich vermutlich auch nie wieder hinkomme. witzigerweise erinnere ich, dass zu zeiten meiner kindheit, vor also so schlappen 70 jährchen, der fk pirmasens, jadoch!, im deutschen fussball eine gewisse rolle spielte. hm.
und stelle mich vor den toren von pirmasens, winzeln heisst das hier, ab, mitten im gewerbeviertel auf dem randstreifen dieser fetten aber am abend schnell und nicht sooo befahrenen chaussee. sehr freies umfeld und es wird wieder spannend sein zu sehen, wie sich meine welt am morgen verändert hat, wenn die arbeiter vorgefahren sind. apropos. marcel, der chef vom baddesignladen gegenüber war schon da, hielt mit seinem elektroporsche, glanzschwarz, vor meiner veranda, lud mich zum essenfahren in sein schwellendes protzmobil. aber das war mir zu nah. freundlicher, zugewandter mann mit sicher türkischen wurzeln aus einer völlig anderen liga. und versprach dann aber kaffee für den morgen.
den er aber nicht brachte. dafür empfängt mich die stadt mit bösen steigungen und einem armseligen zustand. armut aus allen ritzen. und sofort spricht mich ein etwas fertiger typ an, gemagert, zöpfchen und den duft von gras vor sich hertragend. aber dann doch einen deutschlandfahnensticker aufm hemd. stellt sich raus, dass dieser freak für die afd im stadtrat sitzt. wir reden kurz, berichtet von deutschen firmen die zumachen, während türkische barbershops wie die pilze. bei laufendem besitzerwechsel. ich höre auch afd leuten zu. es läuft ja auch wirklich viel falsch im land. nur sollte mann sich eben nicht mit völkischem quatsch gemeinmachen.
am wagen erwartet mich lutz und textet mich eine gute halbe stunde. will der installationsmeister sich erst nicht mit irgendwelchen parteien abgeben wollen stellt sich auch bei ihm am ende raus: auch er afd adept. und auch für ihn gilt das gesagte.
ziel busenberg und dort das projektchen tannenhof. eine gepflegte, schöne gegend und für mich hats noch einen wunderbaren platz. die seele baumeln lassen oder wasimmer da baumelt.
erstmal macht mir aber der lose bolzen an der kupplung sorge und an der dieselpumpe muss die schraube an einer dichtung nachgezogen werden. buddha mit uns. hihi.
jedenfalls ist er hilfreich, was die wasserfrage angeht. treffe lisa vorm tannenhof und sie spendiert mir 25 liter wasser, gutes wasser, wie sie betont. das projekt mehrgenerationenwohnen im alten hotel läuft irgendwie zufriedenstellend.
und ein paar camper fallen mit ihren rollenden einfamieljenhäusern ein. ich glaube, das erste mal, dass ich auf einem stellplatz gelandet bin. muss auch nicht öfter sein. es sei denn, es ist wieder so ein wunderschöner.
…um besuch zu empfangen. gerade der reisende braucht unterwegs unbedingt immer wieder herzenszuspruch…
hab mich in maximiliansau niedergelassen, am rhein direkt und 13km bis karlsruhe zentrum. karlsruhe also soll es die nächsetn tage sein. und maximiliansau, weil ich die brücke, eine ausgeschilderte schnellstrasse mit mindesttempo 60kmh, nicht passieren darf. ok also.
oder soll mann sagen: das flüsschen? und die nächsten tage weiter prachtwetter, gut für mich, schlecht für die flüsschen. oje.
und direkt das nächste dilemma. sie kam mit dem zug.
und um mit böll zu sprechen: der zug war: unpünktlich. und zwar drastisch. zwei stunden warens dann am ende, auf einer strecke köln-karlsruhe schon eine beachtliche db-leistung. aber ich nutzte die zeit natürlich brav. zum stehen in einer da noch leeren city.
und zum sitzen in einem wunderbaren schlosspark.
und schliesslich kam sie dann doch. die bahn.
mnmmnmnm




































